Zur Startseite Alles über Technik Informationen über Golfpsychologie Taktik und Platzstrategie Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Koordination, Ernährung Schläger, Video, Foto, Laser Informationen für Erstbenutzer Übersicht über diese Internetpräsenz Infoschreiben als Rundbrief Zum Diskussionsforum Alles, was in keine andere Kategorie passt Archiv der alten Artikel Impressum und Mitwirkende Zur Seite der Bücher, Videos und Hörkassetten Zur Seite der Seminare für Pros Zur Seite: Didaktik im Golfunterricht Amüsante Golftexte Golf-Fotos von Oliver Heuler Zur Seite für potentielle Werbepartner und Sponsoren Interessante Links ins Internet
Logo Golf-Forum

Warum Schopenhauer
keine E-Mails las

von Oliver Heuler




Arthur Schopenhauer

Die erste Regel des guten Stils: »dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!«

A. Schopenhauer

Täglich verrichten wir vor unseren Bildschirmen die Arbeit von Landwirten: In unseren elektronischen Postfächern will die Spreu vom Weizen getrennt werden. Zunächst müssen wir die alltägliche Hoax-, Kettenbrief- und Werbeflut überstehen. Nach dem Löschen von Unerwünschtem geht es weiter: Weil die elektronischen Briefe so einfach zu verschicken sind, schreibt fast jeder täglich dutzendfach. »Briefe« ist in diesem Zusammenhang sicher zu hoch gegriffen; natürlich schreibt auch nicht jeder. Es ist eher so, dass der Graben zwischen Schwätzern und Schweigern noch größer wird: Die Lauten werden noch lauter und die Stillen noch stiller.

Jetzt will unser freigeschaufeltes Eingangskörbchen abgearbeitet werden. Scheinbar gibt es eine stille Übereinkunft der Leute, die uns schreiben:

– Sie benutzen in jeder Zeile mindestens ein Emoticon, vorzugsweise besonders unverständliche wie :-Q oder ::-o. Mit Worten lassen sich die meisten Dinge, so glauben die Versender, ohnehin nicht ausdrücken. Man stelle sich vor, um wie vieles reicher und ausdrucksstärker die Schriften von Benn und Büchner oder Kleist und Kafka gewesen wären, hätten die Autoren Emoticons verwandt.

– An jeder E-Mail hängt eine lange Signatur. Besonders ihre Berufsbezeichnung macht mächtig Eindruck auf uns.

– Sie kümmern sich nicht um Formatierungen, besonders bei E-Mails, die schon zweiunddreißigmal weitergeleitet wurden. Die Versender denken sich vielleicht: »Wenn das Entschlüsseln lange dauert, beschäftigt sich mein Adressat zumindest intensiv mit dem Inhalt«.

– Sie praktizieren die permanente Kleinschreibung und sparen sich Leerzeichen nach Kommata und Punkten. Wichtige Sätze werden komplett in Großbuchstaben verfasst.

– Die automatische Rechtschreibkorrektur lassen die Versender ausgeschaltet. Die vielen Unterstreichungen würden sie nur irritieren.

– Ihre E-Mails werden mit reichlich Ausrufezeichen garniert. Das lässt ihre Ergüsse besonders wichtig erscheinen.

– Der Betreff lautet grundsätzlich »Kein Thema« oder er hat nichts mit dem Inhalt ihrer Nachricht zu tun.

– Sie platzieren ihr gesamtes Adressbuch unter cc, sodass unsere E-Mail-Adresse auch ihren anderen Freunden bekannt wird. Außerdem können so alle sehen, wie groß ihr Bekanntenkreis ist.

– Sie hängen lustige Windows-Programme an, vorzugsweise 2 mb und mehr. Wenn nur Bilder anhgeängt werden, sind sie nicht komprimiert, denn das würde deren hohe Qualität beeinträchtigen.

– Sie lesen ihre Nachrichten an uns vor dem Versand nicht noch einmal durch. Zwar verwendete sogar Goethe nur 10 Prozent der Zeit aufs Schreiben und 90 aufs Redigieren, aber das war im vorletzten Jahrhundert.

Die folgende Empfehlung hat Schopenhauer zwar nicht als Rundmail versandt, gleichwohl ist sie von bleibendem Wert: »Man benutze gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.« Die Autoren der E-Mails, die wir bekommen, halten es eher mit der Umkehrung. Insofern ist es glaubhaft, wenn Historiker behaupten, Arthur Schopenhauer hätte zeitlebens keine einzige E-Mail gelesen.

Nun könnte man meinen, dass dieser Beitrag der Bitte gleichkäme, mir nie wieder einen E-Brief zu schicken. Weit gefehlt. Ich freue mich über jeden Beitrag und besonders über solche, die Schopenhauers erste Regel beachten.


oh

---

Hoaxes (Enten) sind manuell betriebene Würmer. Ein Wurm ist per Definition ein Computercode, der sich unaufhaltsam selbst kopiert. Während echte Würmer auf anspruchsvolle Programmierung angewiesen sind, verlässt sich ein textbasierter Hoax (wie zum Beispiel eine Virenwarnung) bei seiner Fortpflanzung auf die Leser. Innerhalb von Stunden werden so Mailserver zugekleistert, Eingangskörbchen verstopft und Administratoren damit beschäftigt, Entwarnungen zu versenden. Hoaxe verursachen damit fast so viel Schaden wie Viren. Wenn jeder im Internet ein Hoax erhielte und eine Minute mit dem Lesen verbrächte, wären das 50 Millionen Leute × 1/60 Stunde × 40 Euro/Stunde = 33 Millionen Euro. Und wer von uns hat in seinem Leben nur ein Hoax erhalten?

Diese Rechnung sollte auch diejenigen Weltretter überzeugen, die denken: »Die Warnung vor dem Virus hätte ja auch wahr sein können.« Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint.

PDF-Version:
schopenhauer.pdf (102 KB)

Seitenanfang



HOME  | TECHNIK  | PSYCHE  | TAKTIK  | FITNESS  | AUSRÜSTUNG
neu hier?  | Sitemap  | Newsletter  | Forum  | Sonstiges  | Kontakt  | Archiv 
Bücher  | Seminare  | Didaktik  | Amüsantes  | Fotos  | Werbung  | Links 
[ PGAG ·  Golf & CCF · Golf am Fleesensee · PGA-Golf · Deutscher Golfverband ]