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Alles voll mit Anfängern, die sich das Leben schwer machen. Aber irgendwo muss man ja mal loslegen. Die Dreiergruppe, die ich auf dem vierten Tee antreffe, Österreicher, will mich durchspielen lassen. Ich könnte mich dem deutschen Einzelspieler anschließen, den sie auch schon durchgelassen haben, aber er schaut nicht zurück. Er steht ca. hundert Meter rechts im Wäldchen und überlegt. Was er genau tut, ist von der Höhe unseres Abschlages aus nicht ganz auszumachen. Das Grün liegt etwa 150 Meter entfernt, Par 3, und er hat seinen Ball offensichtlich nach rechts verzogen. Jetzt steht er da und denkt.
Überlegt er, ob sich der Weltfriede durch Gebete, die er jetzt an Ort und Stelle spricht, realisieren lässt? Überlegt er, ob er zu Hause die Herdplatte abgeschaltet hat oder denkt er über eine Gleichung mit mehreren Unbekannten nach, die ihn seit seinem Studium an der Fachhochschule beschäftigt?
Wir wissen es nicht. Jetzt bewegt er sich nach rechts, geht unter die Bäume, nein, hier ist er nicht. Er schleicht zurück Richtung Fairway. Aha. Irgendetwas muss da liegen. Vielleicht eine Botschaft von Allah in einen roten Stein gemeißelt, seinen Ball doch gefälligst zu vergessen, das Golf zu vergessen und ein braves, gottgefälliges Leben als Derwisch irgendwo in der tunesischen Wüste zu beginnen. Hey, wäre das nichts, Kamerad! Das ist zumindest der Ort, an den wir Dich jetzt wünschen, ich und meine drei Österreicher.
Oh, Bewegung! Er bewegt sich! Er führt eine Bewegung aus, die aus der Ferne an einen Golfschlag erinnert. Da schau. Und sie bewegt sich doch! Ich meine die Erde. Viel Erde hat er bewegt. Und brav trägt er sie zurück. Setzt sie ein, steht und sinnt. Soll er das wirre, vertrocknete Grasstück so rum oder so rum einlegen? Es soll schließlich nicht gegen den Strich anwachsen! Holla, er hat sich entschieden, es geht weiter. Er geht zum Grün - sagen wir - schleicht zum Grün, oder was ist der Ausdruck für noch langsamer gehen? Sein Ball liegt links auf dem Vorgrün, weil sein Schlag aus dem rechten Rough allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz nicht im Bunker liegen blieb, sondern darüber hinaus hüpfte. Jetzt liegt er auf dem Vorgrün, der Ball, und fragt sich, wann das Leiden denn ein Ende haben mag. Da kommt er näher, sein Misshandler. Gemächlich ausschreitend, zieht er seine Karre hinter sich her. Irgendetwas rödelt, denkt, forscht hinter dieser deutschen Stirn. Ist es ein Denker, der sich mit Themen befasst, bei denen selbst Kant seine vorlaute Klappe hielt, oder ist er ein mittelständischer Unternehmer, der sich überlegt, ob er sich so modernes Teufelszeug wie Internet für die Firma anschaffen soll? Nein, wird er nicht! Das Faxgerät ist noch nicht abgeschrieben!
Nun bewegt er sich fast auf dem Boden kriechend. Er überlegt sich die zu spielende Linie: Bravo! Vor einem guten Schlag steht ein guter Gedanke. Und er schlägt, da wo er hätte putten sollen. Jetzt ist er wieder weg, der Ball. Auf der anderen Seite des Grüns versucht dieser, Amnesty International zu bewegen, ihn als politisches Folteropfer zu schützen. Er hält sich versteckt, aber nein, unser Freund ist geschult im Bälle Aufspüren. Mit ihm ist nicht zu spaßen. Jetzt nimmt er den Putter, aus dem rauen Gewöll hinter dem Grün! Ein strategischer Zug, dessen Bedeutung wir von hier oben nicht richtig nachvollziehen können.
»Den haben Sie durchspielen lassen,« frage ich die Österreicher.
»Der kam ganz schnell von hinten«, meinen sie eifrig.
Ja, du liebe Zeit, kann es vielleicht sein, dass mein Dreierflight in einer anderen Zeitzone lebt, im Zentrum der Zeit, dort wo sie still steht und jede andere, noch so langsame Bewegung schnell wirkt? Über die praktische Bedeutung von Zeit und Geschwindigkeit lässt sich auf dem Golfplatz vermutlich mehr erfahren, als in manchem astrophysikalischen Diskurs. Ist Einstein die Relativitätstheorie auf dem Golfplatz eingefallen? Wer weiß! Wenn sich ein Körper mit relativer Lichtgeschwindigkeit geradeaus bewegt - und jedes arme Licht auf dem Golfplatz meint, es wäre geschwind - dann kommt er irgendwann an seinem Ursprungsort wieder an! War es nicht so? Den Beweis finden Sie auf dem Golfplatz! Jetzt puttet er. Irgendwie scheinen ihn die gleichen Gedanken zu beschäftigen. Er puttet bergauf zum Loch und der Ball kommt an seinen Ursprungsort zurück. Jetzt puttet er noch mal und der Ball bleibt ca. 30 cm vom Loch entfernt liegen. Schenkt er sich den? Dann wäre er kein Sportsmann, nein! Jetzt gilt es das Gras sorgfältig in seinem Wachstum zu berechnen, die Puttlinie zu visualisieren, zwei Probeputts und dann durchatmen und los! Ist er drin? Nein. Merkwürdig. Falsch gelesen? Vermutlich ein schlechtes Grün!
Oder die Erde ist gekippt! Was heißt das?
Manchmal ist man absolut sicher, dass der Putt drin gewesen sein müsste, ist er aber nicht. Warum? Weil der Planet geruckelt hat! Soll mir doch keiner erzählen, dass die Erde, bei den ganzen Meteoriten, die ständig einschlagen, konstant die gleiche Bahn einhält. Bei all dem, was auf sie hernieder prasselt, muss sie manchmal ruckeln und wackeln. Das ist doch nur natürlich. Merken tut man das nie, es sei denn bei kurzen Putts. Ein kurzer Erdbebenstoß wäre auch eine Erklärung.
Er steht jetzt über einem Putt von 5 cm und führt seine Puttroutine durch, dann ist der Ball drin. Ich will jetzt abschlagen, sehe aber, dass sein Trolley noch links vom Grün steht. Ah, jetzt hat er es auch gemerkt. Was soll die Hetze, es ist ein schöner Tag. Genau. Mein erster wirklich schöner, warmer, wunderbarer und gleichzeitig letzter Tag. Jetzt ist er bei seinem Trolley angekommen und da muss er jetzt etwas rumwurschteln. Und jetzt schaut er das erste Mal seit Stunden zurück. Ei der Daus, da stehen ja noch welche auf dem Tee. Warum denn das, die HABEN IHN DOCH DURCHSPIELEN LASSEN! Ach so. Jetzt wird er hektisch. Er geht schnell, was wiederum ein sehr relativer Begriff ist. Jetzt ist er weg.
Ich schlage ab, liege etwas zu kurz, chippe vor die Fahne, verpasse den Putt, hebe zur Vier auf und gehe zum nächsten Abschlag.
Wer trottet wie ein valiumgetränktes Gnu über die Aue?
Unser Freund!
Am Grünrand bleibt er stehen. Da steht auch eine Frau. Sie sprechen zusammen. Also sprechen kann er auch. Jetzt geht es weiter ... tap, tap, tap.
Ich mache das genau noch diese Bahn mit, dann hebe ich auf, packe meinen Krempel und gehe zum Clubhaus.
Die drei Österreicher beobachten meinen Abgang aus der Ferne.
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