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Nach der Stunde

Es freut mich, dass innerhalb so kurzer Zeit fünf Beiträge zu Peters Schwung ins Forum gestellt wurden. Ein Detail hatte ich zu erwähnen vergessen: Ich hatte mit Peter nur eine knappe halbe Stunde Zeit.

Jetzt könnte man ja den Standpunkt einnehmen, dass ein Teaching-Pro grundsätzlich langfristig unterrichtet werden sollte – also eher in Richtung »Swing Building«, denn in Richtung »Fixing«. Ich unterrichte sehr viele Teaching-Pros und habe damit jedoch keine guten Erfahrungen gemacht. In dieser Hinsicht scheinen wir den Amateuren zu gleichen: Wir wollen den Ball fliegen sehen und keine schönen Schwünge auf dem Bildschirm.
Ich wollte Peter also nur so viele Korrekturen geben, wie er sofort umsetzen konnte. Und ich wollte, dass er meine Hütte nicht mit einem Pull-Hook verlässt.

Meine Analyse nach BISK:
Der Pull-Hook bedeutete, dass die Schlagfläche im Treffmoment geschlossen war. Der Griff war eher schwach und die Schlagfläche nach dem Ausholen noch offen. Die Hände waren im Treffmoment genügend vor dem Ball. (Das war bei meiner letzten Stunde mit Peter vor ca. einem Jahr noch nicht der Fall. Da hatte er geschaufelt und sehr hoch geschlagen.) Also musste sich das linke Handgelenk im Abschwung palmar gebeugt haben. Eine tiefere Ursache hierfür liegt oft in einem abflachenden Schläger beim Abschwung, der dabei auch gerne nach vorne kommt. Die Ursache dafür ist oft ein gekreuzter Schläger im höchsten Punkt des Ausholens. Im fünften Bild ist Peters Schläger jedoch perfekt. (Wenn er hier leicht links von den Händen zu sehen ist, liegt das an der Kamera-Perspektive. Die dritte Kamera auf Schlägerhöhe würde hier beweisen, dass der Schläger genau auf der richtige Ebene ist.) Sein Schläger kreuzt aber danach im Übergang vom Ausholen zum Abschwung. In Bild 7,8 und 9 ist der Schläger zu steil. Jetzt tut der Schläger das, was er so gerne macht, wenn er oben steil ist: er flacht ab. In Bild 10 ist der Schläger schon nur noch minimal steil, und damit er den Ball treffen kann, muss er natürlich noch weiter abflachen. Dabei kommen die Hände immer weiter nach vorne, und das linke Handgelenk beugt sich palmar. Das Ungewöhnliche an Peters Schwung ist die Tatsache, dass der Schläger in Bild 10 immer noch leicht steil ist.

Damit ihr nicht denkt, ich hätte das Bild auf der linken Seite gar nicht angeschaut. Hier meine Beobachtungen: Der Stand ist vielleicht eine Spur zu breit und o-beinig. Der Kopf ist definitiv nach rechts verdreht. Der Bergiff "Reverse-Arsch" trifft vielleicht nicht die richtige Stilebene aber trotzdem zu. Peters Ausholen ist außerdem zu lang und viel zu schnell. 0,8 Sekunden ist die zweitschnellste Zeit nach über 5000 Golfern in unseren beiden Scope-Systemen.

Eine Korrektur der Kopfposition habe ich aufgrund der knappen Zeit nicht erwogen, weil mir der direkte Erfolg zu zweifelhaft erschien. Ich stimme den Ausführungen von Thomas trotzdem zu. Einer meiner zukünftigen Lehrlinge hatte einmal genau die gleiche Kopfstellung und damit furchtbar geslict. Hier habe ich den Kopf korrigiert und damit eine erhebliche Ballflugverbesserung erzielt. So eine Kopfkorrektur ist jedoch schwierig. Ich habe das schon oft gemacht, und die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Leute sich damit schwer tun. In einem etwas längeren Building-Prozess ist das aber absolut notwendig.

Ein flacheres Wegnehmen habe ich auch nicht als erste Korrektur erwogen, denn das hätte den Schläger im höchsten Punkt mehr zum Kreuzen gebracht, und ich wollte Peter und mir das Leben im Abschwung nicht gleich am Anfang der Stunde noch schwieriger machen. Die Reverse-Bewegung stört zwar das Auge, aber nicht so sehr den Abschwung. Wenn überhaupt, würde ich bei einer Korrektur der seitlichen Unterkörperbewegung im Ausholen eher einen noch steiler eintreffenden Schläger fürchten.

Ich habe deshalb das Ausholen verlangsamt und verkürzt, damit das Kreuzen im Übergang weniger wird. Die nächste Korrektur lautete: Schläger flacher machen als erste Bewegung im Abschwung. Diesen Impuls nach unten darf man jedoch nur sehr kurz setzen, sonst bleibt der Schläger den ganzen Abschwung hindurch flach.
Das Ergebnis war erstaunlich: Hände und Schläger kamen in eine deutlich bessere Position 90 Grad vor dem Ball. Und da der Ball sofort gerader flog, muss sich auch die Palmarbeugung verringert haben.

Natürlich ist jetzt noch nicht alles gut. Aber für eine halbe Stunde Arbeit war ich zufrieden. Peter war es auch, glaube ich. Er hat danach sieben Löcher auf dem schwierigen Schlossplatz gespielt und lag, laut Auskunft seiner Mitspieler, eins unter Par. Aber das kann er uns ja selber besser berichten.
Sicher war meine Korrektur nicht die einzig Erfolg versprechende. Aber vielleicht helfen meine Erklärungen dem ein oder anderen, Peters Schwung mit anderen Augen zu sehen.

Kommentare und Anregungen im Forum sind herzlich willkommen.

Peters Schwung nach meinen Korrekturen:

Ben Hogan bei der Rundenanalyse

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