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Traurige Führung

Lehrer, Trainer und Manager halten sich noch immer an die Strategie: Belohnen, Bestrafen und Bestechen. Das Ergebnis auf der Seite der Schüler/Sportler/Mitarbeiter ist zunächst mangelnde Selbstverantwortung, dann Jammern, später Ohnmacht und als Konsequenz Frustration und Angst.
Nach einiger Zeit hat der Schüler/Sportler/Mitarbeiter dann ganz vergessen, dass er für sich das Beste tut, wenn er sein Bestes gibt. Er hat vergessen, dass er, sobald er etwas mit Hingabe tut, Zufriedenheit im selben Maße erfährt. Es darf nicht darum gehen, die Anstrengungen als Mittel zum Zweck verkommen zu lassen. Wenn sich die Lebensweisheit darin erschöpft, kurzfristig Lust zu suchen und Unlust zu meiden, wird alles zum Mittel. Nichts wird mehr um seiner selbst willen getan, nichts spendet unmittelbar Befriedigung, alles soll nur etwas anderem dienlich sein. Unaufhörlich wird das Heute dem Morgen geopfert. Tut der Schüler/Sportler/Angestellte hingegen eigenmotiviert, also mit Spaß an der Sache, sowie Hingabe und Ausdauer das, was er selber gewählt hat, dann belohnt er sich alleine: mit Selbstachtung. Und so wirkt er auf die Umwelt noch ansteckender als seine jammernden und nörgelnden Kollegen. Wer hingegen mit Belohnungen arbeitet, der bekommt Mitarbeiter, die handeln um belohnt zu werden. Auf einmal hat man Angestellte, die den vorauseilenden Gehorsam bis zur Selbstauslöschung perfektioniert haben. Ohne Anweisungen und Fremdmotivation geht dann gar nichts mehr.

Hirnforscher wissen längst: Nicht nur Essen und Fortpflanzung erzeugen Glückshormone, sondern auch das Lösen von Problemen. Der Mensch will lernen, üben, weiterkommen. Er will Probleme lösen, nicht nur als Diktat, als Leistungsqual, sondern als primäres Glückserlebnis. Es geht deshalb gar nicht darum, seine Schüler/Sportler/Mitarbeiter zu motivieren. Die Aufgabe der Lehrer/Trainer/Manager müsste darin liegen, die vorhandene Motivation nicht zu zerstören, sondern ihr Freiheiten zu geben, damit sie produktiv ausgelebt werden kann.
Wenn das Belohnen scheinbar nicht mehr reicht, kommt der Lehrer/Trainer/Manager mit Heraushol-Attitüde: Überanstrengung ist nun der Mindesteinsatz und verbissene Anstrengung soll dann die Effektivität erhöhen. Das ist jedoch genauso kurzsichtig wie das Motivieren. Das zu tun, was man selber gewählt hat, heißt jedoch nicht, immer nur das zu tun, was Spaß macht. Es heißt vielmehr, sich bewusst dafür zu entscheiden, was man tut. »Die Situation, so wie sie jetzt ist, habe ich gewählt und kann sie auch abwählen – auch wenn ich dann mit den Konsequenzen leben muss. Diese Wahlfreiheit ist Quelle meiner Selbstachtung. Das bedeutet zunächst: aufhören zu klagen über die Verhältnisse, die nicht immer so sind, wie ich sie mir wünsche.« Commitment kann man nicht fordern, nur ermöglichen. Auch Motivation ist Sache des Einzelnen – ihr Freiraum zu geben, Sache der Führung. Zu diesem Freiraum zählt auch der Freiraum für Fehler: Wer Fehler bestraft, statt sie als Lernmöglichkeit willkommen zu heißen, der fördert Angst und nicht Weiterentwicklung. Wachstum findet nur statt, wenn die Sicherheitsgrenzen überschritten werden dürfen und Misserfolg riskiert wird. Das schlimmste Szenario tritt dann ein, wenn der Schüler/Sportler/Mitarbeiter eine solche Angst vor dem Zugeständnis von Fehlern hat, dass er sie vertuscht, anstatt sie zu korrigieren. Eine fehlerfeindliche Kultur ist der Tod jeder Kreativität. Kreativ sein heißt, das grundlegende Konzept fallenzulassen, dass es einen »richtigen Standpunkt« zu jedem Thema gibt. Kreativ sein heißt: über das vorgeblich Richtige, das Zwangsläufige, das Routinierte hinausgehen.

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