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An die Präsidentinnen und Präsidenten aller Mitgliedsvereine
Deutscher Golf Verband e.V.
Berlin, 26. November 2001
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Struktur des Deutschen Golf Verbandes (DGV)
Wohin geht der Weg?
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
erstmals im Frühjahr 2000 in Bad Saarow hatte ich als neugewählter Präsident unseres Clubs und dann im Frühjahr d. J. in Frankfurt (Main) die Gelegenheit, den jährlichen Verbandstag unseres Dachverbandes zu besuchen. Meine Eindrücke und Schlußfolgerungen aus diesen beiden jährlichen Mitgliederversammlungen habe ich nachstehend festgehalten, um vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen, die nicht auf diesen Verbandstagen anwesend waren, aus in meiner Sicht mit dem Ziel zu informieren, daß wir als die Mitglieder des DGV auch die Verantwortung haben, uns um unseren Verband zu kümmern und uns auch bei der jährlichen Mitgliederversammlung mit der uns zustehenden Stimme an den Diskussionen und Abstimmungen zu beteiligen. Da ich der Auffassung bin, daß wir die Strukturen unseres Verbandes dringend modernisieren, d.h. reformieren müssen, habe ich mich dafür entschieden, Sie auf diesem Weg anzusprechen, weil ich glaube, Sie anders nicht erreichen zu können.
I. Ausgangslage
1. Die Struktur des DGV
Der DGV ist gem. seiner Satzung ein Verband der Vereine. Das bedeutet, daß bei der jährlichen Mitgliederversammlung (Verbandstag) des DGV wir Vereine ein direktes Stimmrecht haben. Zusätzlich zu den Stimmen der derzeit ca. 640 Vereine (je eine Stimme) haben auf dem Verbandstag die 13 Landesgolfverbande (LGV) noch je 5, also insgesamt 65 Stimmen. Dies entspricht bei vollständiger Anwesenheit aller Vereine einem Stimmenanteil von 9,8 % für die Verbände. Dieser Stimmenanteil vermindert sich durch die von Jahr zu Jahr steigende Anzahl der Mitgliedsvereine des DGV. So verdoppelte sich die Anzahl der Clubs in etwa alle 10 Jahre.
1980: 160 Clubs
1990: 313 Clubs
2000: 613 Clubs
Trotz dieser Vervierfachung der Clubs seit 1980 haben sich die Verbandsstrukturen nicht geändert, und somit ist der DGV einer der wenigen Mitgliedsverbände des Deutschen Sportbundes (DSB), bei dem die Vereine noch ein direktes Stimmrecht beim Verbandstag haben. Durch sein – wie oben beschriebenes – überproportionales Wachstum der letzten 20 Jahre ist er z. Zt. der 15. größte Fachverband im DSB. Der nächstgrößte Verband, der auch noch über ein direktes Stimmrecht der Vereine verfügt, ist der Deutsche Seglerverband. Dieser ist nur halb so groß wie der DGV.
Sind wir klüger als die anderen?
2. Der Verbandstag
Waren 1998 von 562 Clubs noch 167 (23,5 %) Präsidentinnen und Präsidenten beim Verbandstag persönlich anwesend, so waren es 2001 von 631 Clubs (also 69 mehr) nur noch 105 (16,6 %)! Für 83,4 % aller Deutschen Golfclubs ist der jährliche DGV-Verbandstag "nicht die Anfahrt wert". Warum?
Der Verbandstag hat für uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Vergangenheit und keine Zukunft!
Als ich 1999 zum Präsidenten meines Vereins gewählt wurde, hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas über Strukturen und Politik des DGV kennengelernt. Die Einladung des DGV zum Verbandstag des Jahres 2000 in Bad Saarow hat mir klargemacht, daß ich als Präsident des Clubs die Aufgabe habe, dort die gleichen Rechte wahrzunehmen, die unsere Vereinsmitglieder auch in unserem Verein haben. Wahrend des Verbandstags in Bad Saarow mußte ich feststellen, daß die Zusammensetzung dieses Verbandstags in keiner Weise mit der Zusammensetzung unserer Mitgliederversammlungen zu vergleichen ist. In unseren Vereinen haben wir normalerweise "lebenslängliche" Mitglieder, die ständig mit dem Club, mit dem Präsidium, mit der Anlage und den anderen Mitgliedern in Verbindung stehen und somit auch wirklich wissen, welche Probleme ihr jeweiliger Verein hat. Nicht selten erlebe ich, dass bei einer Mitgliederversammlung viele ehemalige Vorstandskolleginnen und Kollegen anwesend sind, die die Geschicke ihres Vereins außerordentlich sorgfaltig und sachverständig verfolgen. Völlig anders dagegen ist die Mitgliederversammlung unseres Dachverbandes strukturiert. Da man naturgemäß nur als gewählter Repräsentant seines Vereins an diesem Verbandstag teilnehmen kann und darf, ist die Zugehörigkeit zu diesem Gremium an die Amtszeit gebunden. Diese Zeitdauer ist in der Regel einige wenige Jahre. Durch diese Umstände sind die beim Verbandstag anwesenden Präsidentinnen und Präsidenten (manchmal auch deren Vertreter) eine zeitlich begrenzte Zufallsgemeinschaft und dieser Effekt verstärkt sich noch dadurch, daß – wie oben beschrieben – beim letzten Verbandstag nur jeder 6. Verein persönlich vertreten war.
Nachdem ich mich mit dem derzeit beim DGV anstehenden Problemen etwas intensiver beschäftigt habe, glaube ich sagen zu können, daß diese Probleme so komplex sind, daß man sich – ohne sich mit der Materie intensiv zu beschäftigen – kein eigenes Urteil erlauben kann. Ich bin zu der Schlußfolgerung gekommen, daß wir Präsidentinnen und Präsidenten unsere "Macht", die uns mit unserer Stimme auf dem Verbandstag gegeben wird, um mit dieser über die Geschicke und Zukunft des DGV abzustimmen, Personen übertragen sollten, die ständig mit unserem Dachverband in Verbindung stehen und aus der täglichen Arbeit heraus die handelnden Personen des DGV und die anstehenden Probleme genau kennen.
Außerdem ist der Verbandstag auch kein geeignetes Diskussionsforum. Beim letzten Verbandstag im Frühjahr in Frankfurt (Main) gab es zwar am Vortag sogenannte "Hearings" und dann abends noch einen opulenten gesellschaftlichen Abend, aber der Verbandstag (die DGV Mitgliederversammlung) war von einem Vortrag vom Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Herrn von Richthofen, und den Regularien (u. a. vortragen der Jahresberichte) geprägt. Ausreichend Zeit für Diskussionen und Meinungsbildung für wichtige Themen bestand nicht und war auch m. E. gar nicht vorgesehen.
II. Beispiele der Verbandspolitik des Präsidiums
1. Deutsche Golfsport GmbH (DGS)
Die Bilanz und Gewinn und Verlustrechnung des DGV weist die wirtschaftlichen Aktivitäten der DGS, einer 100% igen Tochter des DGV, mit immerhin 600 TDM auf der Aktivseite der DGV Bilanz aufgeführt, nur mit einer Zahl aus. Eine Offenlegung der wirtschaftlichen Aktivitäten der DGS wird durch das Präsidium des DGV "aus Konkurrenzgründen" nicht empfohlen (nach der Klärung der letzten steuerlichen Fragen wird auch der von mir geführte Golf und Land Club Berlin Wannsee e. V. eine Wirtschaftstochter in Form einer GmbH gründen. Es wäre bei diesem Vorgang für Mitglieder und Vorstand meines Vereins undenkbar, daß diese zukünftige GmbH hinsichtlich der Transparenz anders behandelt werden soll, als der Verein). Ich bin der Meinung, daß künftig die Bilanz des DGV und der DGS gleichermaßen transparent dargestellt werden sollten.
2. Vereinigung clubfreier Golfspieler im Deutschen Golf Verband e. V. (VcG)
Die VcG hat ca. 12.000 Mitglieder, die in die Kasse dieses Vereins ca. jährlich 4 Mio. DM einbezahlen. So hat die VcG in den letzten Jahren eine Liquidität von ca. 10 Mio. DM angesammelt. Die Beliebtheit des VcG hat ihren Ursprung darin, daß der DGV diese Institution als einzig autorisierten Ausweishändler (das ist ein Golfclub ohne Golfplatz) für die DGV Mitgliedsausweise zuläßt und wir Vereine (auch mein Verein) diesen Mitgliedsausweis anerkennen. Auf den jährlichen Mitgliederversammlungen des DGV wird zwar kontrovers darüber diskutiert, ob z.B. auf diese Ausweise ein Eintrittsdatum des einzelnen Mitglieds ausgedruckt sein soll, über die wirtschaftlichen Dimensionen verweigert das Präsidium des DGV jede Diskussion, da die VcG ein "rechtlich selbstandiger" Verein sei und deshalb auch in der Jahresrechnung des DGV nicht erscheine. Somit wird eine Mittelherkunft bzw. verwendung der VcG nicht diskutiert. In Wirklichkeit ist es so, daß wir Vereine hiervon ferngehalten werden, aber der DGV die Geschicke der VcG bestimmt, und zwar über deren Beiratsvorsitzenden (Herrn Prof Dr. Rolf Wallenhorst, Vizepräsident des DGV) und dem Präsidenten der VcG (Herr Alexander Klose – Angestellter des DGV)! Wollen wir wirklich, daß der DGV uns bei der jährlichen Mitgliederversammlung einen ausgeglichenen Etat zur Abstimmung vorlegt, um dann anschließend im "kleinen Kreis" über die Verwendung der "freien" Millionen DM der VcG zu beraten und zu bestimmen? Wir haben einen Anspruch darauf, über die durch unsere Vereine ermöglichten Millionen Einnahmen auch mit zu bestimmen.
3. Schriftliche Jahresberichte
Selbst kleinere Vereine sind inzwischen dazu übergegangen, die Jahresberichte der Vorstandsmitglieder, Bilanz und G + V usw. bereits vorab an die Mitglieder zu versenden, so daß sich auch die Mitglieder mit der Thematik intensiv auseinandersetzen können, um dann zu entscheiden, ob sie bei der Mitgliederversammlung anwesend sein wollen oder nicht. Der DGV tut das nicht! Außerdem spricht für eine Versendung vor dem Verbandstag auch, daß mehr Zeit für Diskussionen zur Verfügung stehen wurde. Besonders verwunderte mich auf dem letzten Verbandstag allerdings die Tatsache, daß Herr Dr. Scheuer die Anwesenden über ihre Meinung hinsichtlich der Notwendigkeit solcher schriftlichen Berichte befragte und die Mehrheit das für überflüssig hielt. Ist das Zufriedenheit oder Desinteresse?
Finden Sie nicht auch, daß wir vor einem Verbandstag die schriftlichen Jahresberichte etc. erhalten sollten?
4. "Kassenprüfer"
Natürlich wird die Bilanz des DGV von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert, d.h. alle Vorgänge sind rechnerisch und steuerlich richtig. Ein "Kassenprüfer", der sich einmal sachverständig mit den wirtschaftlichen Vorgängen beschäftigen könnte, wird vom Präsidium des DGV kategorisch abgelehnt. Ist ein "Kassenprüfer" in unseren Vereinen, selbst wenn sie ein WP Testat haben, nicht selbstverständlich? Warum dann nicht auch in unserem Dachverband? Sind Sie hier auch mit mir einer Meinung, daß die Forderung nach mehr Transparenz richtig ist? Muß nicht ein Präsidium von sich aus das lnteresse haben, alle Vorgänge so transparent wie möglich darzustellen und als Sachwalter der Interessen der Mitglieder umfassend informieren?
Wir sollten in der Satzung einen "Kassenprüfer" als Vertrauensperson der Mitgliederversammlung fordern!
5. Behandlung der Betreibergesellschaften
Derzeit hat der DGV ca. 640 Mitgliedsvereine. Ca. 350 dieser Vereine sind in unterschiedlichster Art und Weise mit Betreibergesellschaften, die bisher noch nicht Mitglied des DGV sind, verbunden. Nunmehr sind Bestrebungen im Gange, auch diesen Betreibergesellschaften zusätzlich die Mitgliedschaft im DGV zu ermöglichen. Insgesamt wären wir dann ca. 1000 Mitglieder in unserem Verband. Ist dann der Dachverband DGV als Verband der Vereine noch zeitgemäß?
III. Welche Struktur soll der DGV künftig erhalten?
M. E. muß der DGV auf den Weg gebracht werden, sich von dem Verband der Vereine zu einem Verband der Verbände (mit einem starken Dach für zentrale Aufgaben) bzw. einer Mischform mit gleichwertiger Stimmenverteilung der Vereine und der LGVe umzuwandeln. Auch könnte ich mir eine Organisationsform vorstellen, die dem föderalistischen System der BRD entspricht, d.h. mit einer Bundesregierung für die zentralen Aufgaben und starken Ländern zur Bewältigung der regionalen Probleme.
Bei diesen Überlegungen ist davon auszugehen, daß die durch uns in unseren jeweiligen LGV gewählten Vorstandsmitglieder, insbesondere der Präsident und der Spielführer einen ständigen Kontakt mit der Geschäftsstelle und den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern des DGV haben. Sie kennen dadurch sehr viel besser – als wir dieses von der Ferne aus beurteilen konnten – sowohl die Sorgen und Nöte als auch die Stärken und Schwächen des DGV. Diese Repräsentanten der LGVe sind die geeigneten Personen, uns Vereine auf den Verbandstagen des DGV zu vertreten.
Eine vom DGV eingesetzte Strukturkommission hat nun dem DGV Vorschläge zu Änderungen der Anzahl der Vollmachtstimmen und dem Stimmengewicht der LGVe auf dem Verbandstag unterbreitet. Dieses sind m. E. nach Schritte in die richtige Richtung. Ob damit das generelle Strukturproblem gelöst und die Denkweise des Präsidiums verändert wird, sei dahingestellt.
IV. Was ist zu tun?
Helfen Sie mit, die Strukturen des DGV zu verändern. Evolution statt Revolution. Je länger sich notwendige Reformen aufstauen, um so größer wird der Bruch mit der Vergangenheit. Beschäftigen Sie sich mit der Materie, diskutieren Sie mit Kolleginnen und Kollegen sowie Ihrem Landesverband und kommen Sie selbst zum Verbandstag am 15. und 16. März 2002 nach Frankfurt (Main). Sie werden feststellen, daß die Mitglieder des Präsidiums des DGV reformunwillig sind. Sie verteidigen die derzeitige Machtstruktur des DGV, und die Vereine und Verbände müssen sich auch kleinste Fortschritte bei der Demokratisierung erkämpfen. Mir ist klar geworden, daß die anstehenden und notwendigen Reformen mit diesem Präsidium nicht zu verwirklichen sind. Hierbei mochte ich ausdrücklich festhalten, daß ich alle Damen und Herren des Präsidiums kenne und keinerlei Zweifel an deren Integrität habe. Sie haben als Personen zwar alle mein Vertrauen, in ihrer Gesamtheit als Präsidium des DGV verteidigen Sie jedoch Strukturen, die mehr einem Geheimbund als einem demokratisch geführten Dachverband ähneln. So hält Herr Dr. Scheuer bei jeder Gelegenheit mündlich und schriftlich fest, daß es aus seiner Sicht keinen Anlaß für Veränderungen gibt.
Anläßlich des Verbandstags im Frühjahr 2000 in Bad Saarow habe ich dort den Vorschlag unterbreitet, daß der DGV eine Strukturkommission zur Behandlung dieser Probleme einsetzen soll. Herr Dr. Scheuer hat sich spontan ablehnend und negativ gegenüber der Einrichtung einer solchen Strukturkommission ausgesprochen. Nachdem ich den DGV aber wissen ließ, daß ich dann eine Strukturkommission der Vereine ohne den DGV installieren werde, hat der DGV einen Prasidiumsbeschluß herbeigeführt und eine Strukturkommission, der auch ich angehören durfte, eingesetzt. Nachdem Herr Dr. Scheuer nach einjähriger Tätigkeit dieser Strukturkommission auf dem Verbandstag d. J. in Frankfurt (Main) nochmals ausdrücklich feststellte, daß er keine Notwendigkeit für Reformen sehe, habe ich diese Strukturkommission verlassen, um außerhalb dieser Kommission für Reformen eintreten zu können. Meine Aufgabe sehe ich darin, mit diesem Schreiben dafür zu sorgen, daß auf dem kommenden Verbandstag in Frankfurt (Main) im Februar 2002 breit, intensiv und sachkundig diskutiert wird. Sollte die Mehrheit von Ihnen die Auffassung vertreten, daß Reformen im DGV angegangen werden müssen, so ist in Vorbereitung der Mitgliederversammlung Anfang 2003 dafür zu sorgen, daß bei den dort anstehenden Wahlen für das Präsidium Persönlichkeiten des Deutschen Golfsports gewählt werden, die von sich aus und aus eigener Überzeugung gemeinsam die notwendigen Reformen auf den Weg bringen und such umsetzen werden.
Sofern Sie zwischenzeitlich mit mir kommunizieren möchten, stehe ich unter den unten angegebenen Möglichkeiten gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Roland Specker*
Kopie: alle LVGe
*Der GLCBW wurde vor 107 Jahren gegründet und hat ca. 1.600 Mitglieder. Er war u. a. Deutscher Mannschaftsmeister 1999, wurde für die beste Jugendarbeit in Deutschland des Jahres 2000 ausgezeichnet und war Deutscher Mädchen Mannschaftsmeister 2001. In den vergangenen Jahren waren alle drei Mannschaften – Gemischt, Damen und Senioren – in der 1. Bundesliga vertreten. Die Vertreter des Clubs auf den Gebieten Geschäftsführer, Greenkeeper, Jugendwart und Golflehrer wirken in ihren Bereichen in den entsprechenden nationalen Gremien mit. (Der Verfasser, geb. 1942, war 10 Jahre Schatzmeister und ist seit drei Jahren Präsident des GLCBW. Stammvorgabe: 3,7).
Büro Roland Specker
Charlottenstr. 57
10117 Berlin
Tel.: 030-2094-5499
Fax: 030-2094-5497
rolandspecker@gmx.de
Stellungnahme zum Brief von Herrn Specker vom 26. 11. 2001
Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,
der Präsident des Golf und Land Clubs Berlin Wannsee e.V. hat mit Datum vom 26. 11. 2001. ein Schreiben an die Präsidentinnen und Präsidenten aller Mitgliedsvereine des Deutschen Golfverbandes geschickt.
Wir im Präsidium haben lange überlegt, ob wir zu diesem Schreiben überhaupt Stellung nehmen sollten, weil es im Stil in weiten Teilen nicht dem entspricht, was jahrzehntelang im DGV üblich war. Der Präsidialbeirat und Präsidenten von Mitgliedsclubs haben uns jedoch gebeten, unsere Zurückhaltung ausdrücklich aufzugeben.
Zu den einzelnen Punkten des genannten Schreibens von Herrn Specker möchte ich daher im Namen des gesamten Präsidiums Stellung nehmen.
I.
1. Die Struktur des DGV
Auf dem Verbandstag 1997 wurde zuletzt eine mögliche Änderung der Struktur des DGV Verbandstages diskutiert. Die Abstimmung damals hat ergeben, dass die bei weitem überwiegende Mehrheit der DGV Mitglieder für die Beibehaltung der Mitgliederversammlung in der bisherigen Form war.
Die verhältnismäßig geringe Teilnehmerzahl beim Verbandstag des Deutschen Golf Verbands war regelmäßig Anlass für das Präsidium, über mehr Attraktivität nachzudenken. Deshalb hat im Jahre 2000 das Präsidium beschlossen, eine Strukturkommission zu berufen, die Vorschläge einer zukünftigen Strukturänderung erarbeiten soll.
Unter Vorsitz von Vizepräsident Prof. Rolf Wallenhorst haben die Herren Hans Joachim Nothelfer (Präsident des Golfverbandes Sachsen und Thüringen), Norbert Skowronek. (Direktor des Landessportbundes Berlin), Roland Specker (Präsident des Golf und Landclubs Berlin Wannsee e, V.) und MdB Peter Kurt Würzbach (Präsident des Golfclub Segeberg e.V.) Änderungsmöglichkeiten in mehreren Sitzungen diskutiert und die Zwischenergebnisse dem Präsidium und dein Präsidialbeirat (Gesamtheit der Präsidenten der Landesgolfverbände) vorgetragen.
Herr Specker vertritt in seinem genannten Schreiben die Auffassung, der DGV solle zu einem Verband der Verbände umgestaltet werden. Noch in der Sitzung der Strukturkommission am 11. 1. 2001 hat er demgegenüber die Meinung vertreten, dass der Verband der Verbände derzeit nicht die richtige Lösung sei. Er schlug vielmehr bei grundsätzlicher Beibehaltung der jetzigen Struktur eine Stärkung der Landesgolfverbände im Verhältnis zu den Clubs vor. Am 26. 3. 2001 hat Herr Specker noch einmal schriftlich bestätigt, dass er hinter diesen bisher erarbeiteten Vorschlägen der Strukturkommission steht und diese auf dem Verbandstag vortragen will. Das hat er getan. Diejenigen, die auf dem Verbandstag anwesend waren, werden sich noch daran erinnern.
Im Mai 2001 ist Herr Specker dann jedoch aus der Strukturkommission ausgetreten, weil er die Vorschläge der Strukturkommission nicht weiter mittragen wollte. Nunmehr hat er seine persönliche und neue Auffassung allen Mitgliedsvereinen mit Brief vom 26. 11. 2001 bekannt gegeben. Die in dem Brief dargestellte Problematik ist nicht neu. Die kritischen Punkte sind auch vorher schon bekannt gewesen und diskutiert worden. Das Präsidium des Deutschen Golf Verbandes ist nach wie vor der Meinung, dass die Struktur des Deutschen Golf Verbandes nicht durch einzelne oder eine besonders aktive Minderheit gestaltet werden soll, sondern dem Mehrheitswillen der Mitglieder entsprechen soll. Schon auf dem genannten Verbandstag des DGV im Jahre 1997 habe ich nachdrücklich darauf hingewiesen, dass das Präsidium jederzeit bereit ist, entsprechende Vorschläge für eine Umgestaltung der Struktur des DGV zu machen und für die Umsetzung zu sorgen, wenn die Mehrheit der Mitglieder dies wünscht bzw. beantragt.
Im einzelnen behauptet Herr Specker in seinem genannten Schreiben als Begründung für eine Änderung im DGV, dass der nächstgrößte Verband der Deutsche Seglerverband, der auch noch über ein direktes Stimmrecht der Vereine verfügt, nur halb so groß sei wie der DGV. Diese Behauptung ist falsch. Der Deutsche Seglerverband hat doppelt so viele Mitglieder (1380 Mitgliedsvereine) wie der DGV (ca. 650 Mitgliedsvereine).
In I. 2. des Schreibens von Herrn Specker wird zum Verbandstag behauptet, dass man nur als gewählter Repräsentant seines Vereins am Verbandstag teilnehmen könne. Diese Behauptung ist nicht richtig. Die Verantwortung eines Vereins, seine Vertretung auf dem DGV Verbandstag sicherzustellen, liegt beim Verein und ist eine Frage der vereinsinternen Organisation. Darüber hinaus hat Herr Specker insbesondere auch auf dem letzten Verbandstag die Auffassung vertreten, die nur für wenige Jahre gewählten Repräsentanten eines Vereins seien gar nicht in der Lage, die wirklichen Probleme richtig zu erkennen und zu beurteilen. Insbesondere gegen diese Auffassung bzw. Unterstellung haben Präsidenten aus Ihrem Kreis energisch Widerspruch erhoben. Sie haben mir gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass sie sich sehr wohl in der Lage fühlen, die anstehenden Probleme richtig zu erkennen und in ihrem eigenen Interesse beurteilen und entscheiden zu können.
II.
Beispiele der Verbandspolitik des Präsidiums
1. Deutsche Golfsport GmbH (DGS)
Es wird behauptet, die Transparenz der DGS über wirtschaftliche Aktivitäten und Bilanzzahlen reiche nicht aus. Es ist richtig, dass in diesem Punkt eine zu starke Transparenz seitens des Gesellschafters DGV nicht empfohlen wird. Die von Herrn Specker gewünschte Offenlegung im Detail würde zum Rückzug von Sponsoren führen. Der Vergleich mit einem Vereins-Sponsorship ist nicht realistisch. Bei der DGS bestehen wenige Sponsorverträge mit verhältnismäßig hohen Summen. Dabei besteht die Gefahr, dass bei Veröffentlichung der Einzelheiten die Sponsoren ihrerseits ihre eigene Bedeutung im Rahmen der DGS erkennen und dies zu einen unnötigen Druck auf Konditionen der DGS ausnützen könnten.
2. Vereinigung clubfreier Golfspieler im Deutschen Golf Verband e.V. (VcG)
Wenn Herr Specker meint, der Verbandstag des Deutschen Golfverbandes könne über die Verwendung der bei der VcG angesparten Rücklagen entscheiden, lässt dies eine völlige Unkenntnis des Vereinsrechts erkennen. VcG ist ein rechtlich selbständiger Verein und keine Tochtergesellschaft des DGV. Natürlich hat der DGV dadurch einen Einfluss auf den VcG, dass der VcG Beirat (oberstes Verwaltungsorgan in der VcG) aus fünf Personen gebildet wird, wobei zwei Beiratsmitglieder vom Präsidium des DGV und zwei weitere vom Präsidialbeirat benannt werden. Das fünfte Mitglied wird von der Mitgliederversammlung gewählt. In der Satzung der VcG ist ausdrücklich verankert, dass das angesammelte Vereinsvermögen für den Bau öffentlicher Golfplätze und zur weiteren Förderung des Golfsports verwendet werden soll. Diese Satzungsbestimmungen können nicht einfach ignoriert werden. Aus diesem Grunde hat die VcG in Zusammenarbeit mit dem DGV in golfförderungswürdige Projekte wie "Abschlag Schule" oder "Play Golf Start Living" oder in die Förderung von öffentlichen Kurzplätzen investiert bzw. wird investieren. Über Einzelheiten der Mittel ist der Präsidialbeirat des DGV wiederholt informiert worden. Darüber hinaus sind die entsprechenden Zahlen veröffentlicht worden. Es wird bedauert, dass diese Informationen und alle Veröffentlichungen hierzu in Fachmagazinen nicht beim Präsidenten des Golf und Landclubs Berlin Wannsee angekommen sind.
3. Schriftliche Jahresberichte
Das Präsidium hat keine Einwendungen, die Jahresberichte des Präsidiums mit der Einladung zu übersenden. Aber auch hier geht es wiederum darum, dass Herr Specker Probleme mit der Auffassung der Mehrheit hat.
4. Kassenprüfer
Das Präsidium ist der Auffassung, dass in der Vergangenheit umfassend und detailliert über die Bilanzen informiert wurde. Die umfassende Aufschlüsselung des Budgets des DGV gibt jedem Interessierten, die Möglichkeit, sich auch mit den wirtschaftlichen Vorgängen zu beschäftigen, zumal durch den Wirtschaftsprüfer die Zuordnung zu den einzelnen Kostenstellen ausdrücklich überprüft und bestätigt wird. Im übrigen überlässt das Präsidium diese Beurteilung dem Verbandstag.
5. Behandlung der Betreibergesellschaften
Um die Einheitlichkeit des Golfsports in Deutschland sicherzustellen, sollten nach Auffassung des Präsidiums des DGV auch Betreibergesellschaften als ordentliche Mitglieder aufgenommen werden. Das heißt aber nicht, dass diese Betreibergesellschaften zusätzlich zu den bereits vorhandenen 640 Mitgliedsvereinen sofort in den Verband aufgenommen werden. Auch hier wird versucht, den Sachverhalt für bestimmte Zwecke zu "vernebeln".
Unabhängig davon ist es aber in der Tat eine berechtigte Frage, wenn wir bei 1.000 Mitgliedern im Deutschen Golf Verband angekommen sind, ob dann eine Strukturveränderung in anderer Form nicht unbedingt erforderlich ist.
III.
Welche Struktur soll der DGV künftig erhalten?
Das Präsidium hat sich ausführlich und gemeinsam mit dem Präsidialbeirat mit den Strukturvorschlägen der Kommission auseinandergesetzt. Natürlich sind verschiedene Lösungen denkbar. In acht Informationstagen für DGV Clubvorstämde in den letzten beiden Monaten haben wir mit Ihnen ausführlich über alle Neuerungen diskutieren können. Wir danken den Teilnehmern für ihre offene Meinung, ihre Kritik, aber auch ihre Anerkennung. Ich bin auch überzeugt, dass sie den Eindruck, geronnen haben; dass dieses Präsidium den Änderungswünschen positiv gegenübersteht, wenn eine Mehrheit die Änderung wünscht. Im übrigen haben wir nicht die Absicht, auf persönliche Vorwürfe einzugehen, und überlassen das Ihrer Bewertung. Die anderen angesprochenen Punkte werden Gegenstand des kommenden Verbandstages sein.
gez. für das Präsidium
Dr. Wolfgang Scheuer
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