Struktur des Deutschen Golf Verbandes (DGV)
Wohin geht der Weg?
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
erstmals im Frühjahr 2000 in Bad Saarow hatte ich als neugewählter Präsident unseres Clubs und dann im Frühjahr d. J. in Frankfurt (Main) die Gelegenheit, den jährlichen Verbandstag unseres Dachverbandes zu besuchen. Meine Eindrücke und Schlußfolgerungen aus diesen beiden jährlichen Mitgliederversammlungen habe ich nachstehend festgehalten, um vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen, die nicht auf diesen Verbandstagen anwesend waren, aus in meiner Sicht mit dem Ziel zu informieren, daß wir als die Mitglieder des DGV auch die Verantwortung haben, uns um unseren Verband zu kümmern und uns auch bei der jährlichen Mitgliederversammlung mit der uns zustehenden Stimme an den Diskussionen und Abstimmungen zu beteiligen. Da ich der Auffassung bin, daß wir die Strukturen unseres Verbandes dringend modernisieren, d.h. reformieren müssen, habe ich mich dafür entschieden, Sie auf diesem Weg anzusprechen, weil ich glaube, Sie anders nicht erreichen zu können.
I. Ausgangslage
1. Die Struktur des DGV
Der DGV ist gem. seiner Satzung ein Verband der Vereine. Das bedeutet, daß bei der jährlichen Mitgliederversammlung (Verbandstag) des DGV wir Vereine ein direktes Stimmrecht haben. Zusätzlich zu den Stimmen der derzeit ca. 640 Vereine (je eine Stimme) haben auf dem Verbandstag die 13 Landesgolfverbande (LGV) noch je 5, also insgesamt 65 Stimmen. Dies entspricht bei vollständiger Anwesenheit aller Vereine einem Stimmenanteil von 9,8 % für die Verbände. Dieser Stimmenanteil vermindert sich durch die von Jahr zu Jahr steigende Anzahl der Mitgliedsvereine des DGV. So verdoppelte sich die Anzahl der Clubs in etwa alle 10 Jahre.
1980: 160 Clubs
1990: 313 Clubs
2000: 613 Clubs
Trotz dieser Vervierfachung der Clubs seit 1980 haben sich die Verbandsstrukturen nicht geändert, und somit ist der DGV einer der wenigen Mitgliedsverbände des Deutschen Sportbundes (DSB), bei dem die Vereine noch ein direktes Stimmrecht beim Verbandstag haben. Durch sein – wie oben beschriebenes – überproportionales Wachstum der letzten 20 Jahre ist er z. Zt. der 15. größte Fachverband im DSB. Der nächstgrößte Verband, der auch noch über ein direktes Stimmrecht der Vereine verfügt, ist der Deutsche Seglerverband. Dieser ist nur halb so groß wie der DGV.
Sind wir klüger als die anderen?
2. Der Verbandstag
Waren 1998 von 562 Clubs noch 167 (23,5 %) Präsidentinnen und Präsidenten beim Verbandstag persönlich anwesend, so waren es 2001 von 631 Clubs (also 69 mehr) nur noch 105 (16,6 %)! Für 83,4 % aller Deutschen Golfclubs ist der jährliche DGV-Verbandstag "nicht die Anfahrt wert". Warum?
Der Verbandstag hat für uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Vergangenheit und keine Zukunft!
Als ich 1999 zum Präsidenten meines Vereins gewählt wurde, hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas über Strukturen und Politik des DGV kennengelernt. Die Einladung des DGV zum Verbandstag des Jahres 2000 in Bad Saarow hat mir klargemacht, daß ich als Präsident des Clubs die Aufgabe habe, dort die gleichen Rechte wahrzunehmen, die unsere Vereinsmitglieder auch in unserem Verein haben. Wahrend des Verbandstags in Bad Saarow mußte ich feststellen, daß die Zusammensetzung dieses Verbandstags in keiner Weise mit der Zusammensetzung unserer Mitgliederversammlungen zu vergleichen ist. In unseren Vereinen haben wir normalerweise "lebenslängliche" Mitglieder, die ständig mit dem Club, mit dem Präsidium, mit der Anlage und den anderen Mitgliedern in Verbindung stehen und somit auch wirklich wissen, welche Probleme ihr jeweiliger Verein hat. Nicht selten erlebe ich, dass bei einer Mitgliederversammlung viele ehemalige Vorstandskolleginnen und Kollegen anwesend sind, die die Geschicke ihres Vereins außerordentlich sorgfaltig und sachverständig verfolgen. Völlig anders dagegen ist die Mitgliederversammlung unseres Dachverbandes strukturiert. Da man naturgemäß nur als gewählter Repräsentant seines Vereins an diesem Verbandstag teilnehmen kann und darf, ist die Zugehörigkeit zu diesem Gremium an die Amtszeit gebunden. Diese Zeitdauer ist in der Regel einige wenige Jahre. Durch diese Umstände sind die beim Verbandstag anwesenden Präsidentinnen und Präsidenten (manchmal auch deren Vertreter) eine zeitlich begrenzte Zufallsgemeinschaft und dieser Effekt verstärkt sich noch dadurch, daß – wie oben beschrieben – beim letzten Verbandstag nur jeder 6. Verein persönlich vertreten war.
Nachdem ich mich mit dem derzeit beim DGV anstehenden Problemen etwas intensiver beschäftigt habe, glaube ich sagen zu können, daß diese Probleme so komplex sind, daß man sich – ohne sich mit der Materie intensiv zu beschäftigen – kein eigenes Urteil erlauben kann. Ich bin zu der Schlußfolgerung gekommen, daß wir Präsidentinnen und Präsidenten unsere "Macht", die uns mit unserer Stimme auf dem Verbandstag gegeben wird, um mit dieser über die Geschicke und Zukunft des DGV abzustimmen, Personen übertragen sollten, die ständig mit unserem Dachverband in Verbindung stehen und aus der täglichen Arbeit heraus die handelnden Personen des DGV und die anstehenden Probleme genau kennen.
Außerdem ist der Verbandstag auch kein geeignetes Diskussionsforum. Beim letzten Verbandstag im Frühjahr in Frankfurt (Main) gab es zwar am Vortag sogenannte "Hearings" und dann abends noch einen opulenten gesellschaftlichen Abend, aber der Verbandstag (die DGV Mitgliederversammlung) war von einem Vortrag vom Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Herrn von Richthofen, und den Regularien (u. a. vortragen der Jahresberichte) geprägt. Ausreichend Zeit für Diskussionen und Meinungsbildung für wichtige Themen bestand nicht und war auch m. E. gar nicht vorgesehen.
II. Beispiele der Verbandspolitik des Präsidiums
1. Deutsche Golfsport GmbH (DGS)
Die Bilanz und Gewinn und Verlustrechnung des DGV weist die wirtschaftlichen Aktivitäten der DGS, einer 100% igen Tochter des DGV, mit immerhin 600 TDM auf der Aktivseite der DGV Bilanz aufgeführt, nur mit einer Zahl aus. Eine Offenlegung der wirtschaftlichen Aktivitäten der DGS wird durch das Präsidium des DGV "aus Konkurrenzgründen" nicht empfohlen (nach der Klärung der letzten steuerlichen Fragen wird auch der von mir geführte Golf und Land Club Berlin Wannsee e. V. eine Wirtschaftstochter in Form einer GmbH gründen. Es wäre bei diesem Vorgang für Mitglieder und Vorstand meines Vereins undenkbar, daß diese zukünftige GmbH hinsichtlich der Transparenz anders behandelt werden soll, als der Verein). Ich bin der Meinung, daß künftig die Bilanz des DGV und der DGS gleichermaßen transparent dargestellt werden sollten.
2. Vereinigung clubfreier Golfspieler im Deutschen Golf Verband e. V. (VcG)
Die VcG hat ca. 12.000 Mitglieder, die in die Kasse dieses Vereins ca. jährlich 4 Mio. DM einbezahlen. So hat die VcG in den letzten Jahren eine Liquidität von ca. 10 Mio. DM angesammelt. Die Beliebtheit des VcG hat ihren Ursprung darin, daß der DGV diese Institution als einzig autorisierten Ausweishändler (das ist ein Golfclub ohne Golfplatz) für die DGV Mitgliedsausweise zuläßt und wir Vereine (auch mein Verein) diesen Mitgliedsausweis anerkennen. Auf den jährlichen Mitgliederversammlungen des DGV wird zwar kontrovers darüber diskutiert, ob z.B. auf diese Ausweise ein Eintrittsdatum des einzelnen Mitglieds ausgedruckt sein soll, über die wirtschaftlichen Dimensionen verweigert das Präsidium des DGV jede Diskussion, da die VcG ein "rechtlich selbstandiger" Verein sei und deshalb auch in der Jahresrechnung des DGV nicht erscheine. Somit wird eine Mittelherkunft bzw. verwendung der VcG nicht diskutiert. In Wirklichkeit ist es so, daß wir Vereine hiervon ferngehalten werden, aber der DGV die Geschicke der VcG bestimmt, und zwar über deren Beiratsvorsitzenden (Herrn Prof Dr. Rolf Wallenhorst, Vizepräsident des DGV) und dem Präsidenten der VcG (Herr Alexander Klose – Angestellter des DGV)! Wollen wir wirklich, daß der DGV uns bei der jährlichen Mitgliederversammlung einen ausgeglichenen Etat zur Abstimmung vorlegt, um dann anschließend im "kleinen Kreis" über die Verwendung der "freien" Millionen DM der VcG zu beraten und zu bestimmen? Wir haben einen Anspruch darauf, über die durch unsere Vereine ermöglichten Millionen Einnahmen auch mit zu bestimmen.
3. Schriftliche Jahresberichte
Selbst kleinere Vereine sind inzwischen dazu übergegangen, die Jahresberichte der Vorstandsmitglieder, Bilanz und G + V usw. bereits vorab an die Mitglieder zu versenden, so daß sich auch die Mitglieder mit der Thematik intensiv auseinandersetzen können, um dann zu entscheiden, ob sie bei der Mitgliederversammlung anwesend sein wollen oder nicht. Der DGV tut das nicht! Außerdem spricht für eine Versendung vor dem Verbandstag auch, daß mehr Zeit für Diskussionen zur Verfügung stehen wurde. Besonders verwunderte mich auf dem letzten Verbandstag allerdings die Tatsache, daß Herr Dr. Scheuer die Anwesenden über ihre Meinung hinsichtlich der Notwendigkeit solcher schriftlichen Berichte befragte und die Mehrheit das für überflüssig hielt. Ist das Zufriedenheit oder Desinteresse?
Finden Sie nicht auch, daß wir vor einem Verbandstag die schriftlichen Jahresberichte etc. erhalten sollten?
4. "Kassenprüfer"
Natürlich wird die Bilanz des DGV von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert, d.h. alle Vorgänge sind rechnerisch und steuerlich richtig. Ein "Kassenprüfer", der sich einmal sachverständig mit den wirtschaftlichen Vorgängen beschäftigen könnte, wird vom Präsidium des DGV kategorisch abgelehnt. Ist ein "Kassenprüfer" in unseren Vereinen, selbst wenn sie ein WP Testat haben, nicht selbstverständlich? Warum dann nicht auch in unserem Dachverband? Sind Sie hier auch mit mir einer Meinung, daß die Forderung nach mehr Transparenz richtig ist? Muß nicht ein Präsidium von sich aus das lnteresse haben, alle Vorgänge so transparent wie möglich darzustellen und als Sachwalter der Interessen der Mitglieder umfassend informieren?
Wir sollten in der Satzung einen "Kassenprüfer" als Vertrauensperson der Mitgliederversammlung fordern!
5. Behandlung der Betreibergesellschaften
Derzeit hat der DGV ca. 640 Mitgliedsvereine. Ca. 350 dieser Vereine sind in unterschiedlichster Art und Weise mit Betreibergesellschaften, die bisher noch nicht Mitglied des DGV sind, verbunden. Nunmehr sind Bestrebungen im Gange, auch diesen Betreibergesellschaften zusätzlich die Mitgliedschaft im DGV zu ermöglichen. Insgesamt wären wir dann ca. 1000 Mitglieder in unserem Verband. Ist dann der Dachverband DGV als Verband der Vereine noch zeitgemäß?
III. Welche Struktur soll der DGV künftig erhalten?
M. E. muß der DGV auf den Weg gebracht werden, sich von dem Verband der Vereine zu einem Verband der Verbände (mit einem starken Dach für zentrale Aufgaben) bzw. einer Mischform mit gleichwertiger Stimmenverteilung der Vereine und der LGVe umzuwandeln.
Auch könnte ich mir eine Organisationsform vorstellen, die dem föderalistischen System der BRD entspricht, d.h. mit einer Bundesregierung für die zentralen Aufgaben und starken Ländern zur Bewältigung der regionalen Probleme.
Bei diesen Überlegungen ist davon auszugehen, daß die durch uns in unseren jeweiligen LGV gewählten Vorstandsmitglieder, insbesondere der Präsident und der Spielführer einen ständigen Kontakt mit der Geschäftsstelle und den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern des DGV haben. Sie kennen dadurch sehr viel besser – als wir dieses von der Ferne aus beurteilen konnten – sowohl die Sorgen und Nöte als auch die Stärken und Schwächen des DGV. Diese Repräsentanten der LGVe sind die geeigneten Personen, uns Vereine auf den Verbandstagen des DGV zu vertreten.
Eine vom DGV eingesetzte Strukturkommission hat nun dem DGV Vorschläge zu Änderungen der Anzahl der Vollmachtstimmen und dem Stimmengewicht der LGVe auf dem Verbandstag unterbreitet. Dieses sind m. E. nach Schritte in die richtige Richtung. Ob damit das generelle Strukturproblem gelöst und die Denkweise des Präsidiums verändert wird, sei dahingestellt.
IV. Was ist zu tun?
Helfen Sie mit, die Strukturen des DGV zu verändern. Evolution statt Revolution. Je länger sich notwendige Reformen aufstauen, um so größer wird der Bruch mit der Vergangenheit. Beschäftigen Sie sich mit der Materie, diskutieren Sie mit Kolleginnen und Kollegen sowie Ihrem Landesverband und kommen Sie selbst zum Verbandstag am 15. und 16. März 2002 nach Frankfurt (Main). Sie werden feststellen, daß die Mitglieder des Präsidiums des DGV reformunwillig sind. Sie verteidigen die derzeitige Machtstruktur des DGV, und die Vereine und Verbände müssen sich auch kleinste Fortschritte bei der Demokratisierung erkämpfen. Mir ist klar geworden, daß die anstehenden und notwendigen Reformen mit diesem Präsidium nicht zu verwirklichen sind. Hierbei mochte ich ausdrücklich festhalten, daß ich alle Damen und Herren des Präsidiums kenne und keinerlei Zweifel an deren Integrität habe. Sie haben als Personen zwar alle mein Vertrauen, in ihrer Gesamtheit als Präsidium des DGV verteidigen Sie jedoch Strukturen, die mehr einem Geheimbund als einem demokratisch geführten Dachverband ähneln. So hält Herr Dr. Scheuer bei jeder Gelegenheit mündlich und schriftlich fest, daß es aus seiner Sicht keinen Anlaß für Veränderungen gibt.
Anläßlich des Verbandstags im Frühjahr 2000 in Bad Saarow habe ich dort den Vorschlag unterbreitet, daß der DGV eine Strukturkommission zur Behandlung dieser Probleme einsetzen soll. Herr Dr. Scheuer hat sich spontan ablehnend und negativ gegenüber der Einrichtung einer solchen Strukturkommission ausgesprochen. Nachdem ich den DGV aber wissen ließ, daß ich dann eine Strukturkommission der Vereine ohne den DGV installieren werde, hat der DGV einen Prasidiumsbeschluß herbeigeführt und eine Strukturkommission, der auch ich angehören durfte, eingesetzt. Nachdem Herr Dr. Scheuer nach einjähriger Tätigkeit dieser Strukturkommission auf dem Verbandstag d. J. in Frankfurt (Main) nochmals ausdrücklich feststellte, daß er keine Notwendigkeit für Reformen sehe, habe ich diese Strukturkommission verlassen, um außerhalb dieser Kommission für Reformen eintreten zu können. Meine Aufgabe sehe ich darin, mit diesem Schreiben dafür zu sorgen, daß auf dem kommenden Verbandstag in Frankfurt (Main) im Februar 2002 breit, intensiv und sachkundig diskutiert wird. Sollte die Mehrheit von Ihnen die Auffassung vertreten, daß Reformen im DGV angegangen werden müssen, so ist in Vorbereitung der Mitgliederversammlung Anfang 2003 dafür zu sorgen, daß bei den dort anstehenden Wahlen für das Präsidium Persönlichkeiten des Deutschen Golfsports gewählt werden, die von sich aus und aus eigener Überzeugung gemeinsam die notwendigen Reformen auf den Weg bringen und such umsetzen werden.
Sofern Sie zwischenzeitlich mit mir kommunizieren möchten, stehe ich unter den unten angegebenen Möglichkeiten gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Roland Specker*
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