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Bernhard Langer macht zurzeit Fernseh-Werbung für das kostenlose Buch »Kraft zum Leben« (www.kraftzumleben.de). Da in der Werbung kein Autor genannt wird, fragt man sich: Wer steht hinter dem Projekt und was sind dessen Ziele?
Hinter der Kampagne steht die religiöse Arthur S. DeMoss-Organisation mit Sitz in West Palm Beach, Florida. Arthur S. DeMoss starb 1979 und verdiente sein Geld zunächst als Buchmacher, danach verkaufte er mit Hilfe von Fernsehwerbung Versicherungen an konservative Christen, deren Lebensweise niedrige Gesundheitsrisiken versprachen. Er hinterließ ein Vermögen von ca. 359 Millionen Dollar. Mit diesem Geld wurde die »National Liberty Foundation« gegründet, die später in »Arthur S. DeMoss Foundation« umbenannt wurde. Seine Witwe Nancy DeMoss ist nun CEO der DeMoss Foundation, der Bruder Robert ist der Präsident und die drei DeMoss Kinder sind Direktoren.
1986 wurde »The Rebirth of America« von Nancy Leigh DeMoss herausgegeben, das die Schwulen-Bewegung, die Abtreibung und das humanistische, säkulare Schulsystem als Beweis sieht, dass die Amerikaner vom rechten Weg abgekommen sind, weil sie ihr christliches Erbe nicht kennen.
1993 wurden das erste Mal für 20 Millionen-Dollar Spots gegen Abtreibung geschaltet.
1997 wurden 9 Millionen Dollar in eine TV- Kampagne gesteckt, die Propaganda gegen Sex vor der Ehe macht.
1,6 Millionen Dollar wurden dem »American Center for Law and Justice« (www.aclj.org) gespendet, einer Anwaltskanzlei, die von Pat Robertson gegründet wurde, die sich gegen die Heirat von Homosexuellen wendet, militante Abtreibungsgegner verteidigt und sich für verschiedene Arten von Gebeten in Schulen einsetzt.
Eine Untergruppe der DeMoss Foundation sind die Executive Ministries, die erklären, dass sie die Welt verändern wollen, indem sie Leute mit Einfluss erreichen, die wiederum ihre Position nutzen können, um andere einflussreiche Leute, deren Familien, Geschäfte und Gemeinschaften zu beeinflussen und mit ihnen Weltsichten, Politik, Kultur, das Gesetz, Medizin, Erziehung, Medien, Kunst Literatur, etc. (www.execmin.org/mission.htm)
Neben den Werbekampagnen fließt das Geld u.a. an: das Political-Action Committee von Newt Gingrich (www.gopac.org) und die Plymouth Rock Foundation (www.plymrock.org).
In einem Interview (FAZ vom 21.10.2001) wird Langer gefragt:
»Fühlen Sie sich ein bisschen auch als Missionar? Oder muss man Sport und Glaube auseinander halten?«
Langer:
»Nein, überhaupt nicht. Der Glaube sollte das ganze Leben durchdringen, in jedem Aspekt eine Rolle spielen. Jeder gläubige Mensch sollte ein Missionar in seinem Kreis sein. Bei mir ist das eben die Golfwelt.« (www.golf.de/langer/interview_main.cfm)
In einem Interview mit der Nordwest Zeitung im August 2001 sagte Langer:
»Ich kenne die DeMoss Familie seit vielen Jahren, sie möchte die christliche Botschaft in der ganzen Welt verbreiten.« (www.golf.de/langer/faq_content.cfm)
Weitere Hintergründe finden sich in dem Artikel aus dem Time Magazin »Who are these guys« von David van Biema, den man für 2 Dollar bei www.time.com herunterladen kann.
Einen Artikel mit ähnlichen Informationen gibt es auf der Seite der Organisation »Americans United for Separation of Church and State«
(www.au.org/churchstate/cs39914.htm).
Ganz Aktuell (7.1.02) Die Sendung REPORT aus Mainz berichtet über die Arthur DeMoss-Stiftung:
Sektenbeauftragter erhebt Vorwürfe gegen verantwortliche Stiftung
Bayern-Star Paulo Sergio kennt Ziele der Stiftung nicht
Mainz. Die von der amerikanischen Arthur S. De Moss-Stiftung in Deutschland geführte Werbekampagne für das Buch »Kraft zum Leben« gerät zunehmend unter Druck. Der Sektenbeauftragte der Ev. Kirche von Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, formuliert schwere Bedenken gegen die Initiatoren des Werbefeldzuges: »Die De Moss-Stiftung hat engste Kontakte zu Jerry Falwell, einem der prominenten Sprecher der amerikanischen evangelikalen Rechten. Jerry Falwell hat intensive Arbeitskontakte mit der Munbewegung nicht gescheut, als es um die Finanzierung seiner Liberty-University ging. Ich halte es für sehr bedenklich, wenn eine Organisation, die sich selbst als christlich bezeichnet, keine Berührungsängste gegenüber einem Weltkriegsmessias wie Mun hat.«
Für das Buch »Kraft zum Leben« werben Prominente, wie der Bayern-Star Paulo Sergio, der Golfer Bernhard Langer, der Sänger Cliff Richard und die Ex-DDR-Spitzensportlerin Brita Baldus. Die 134 Seiten starke Broschüre soll den Leser vordergründig zum christlichen Glauben bekehren.
Bayern-Star Paulo Sergio und Ex-Spitzensportlerin Brita Baldus zeigten sich gegenüber REPORT Mainz von den kritisierten Aktivitäten der De Moss-Stiftung unbeeindruckt: »Ich selbst habe das Buch unterstützt um die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Die Ziele der Stiftung kenne ich nicht«, erklärt Paulo Sergio, derzeit in Sao Paulo. Brita Baldus meint: »So wie ich die De Moss-Stiftung kennengelernt habe, im Zusammenhang mit 'Kraft zum Leben', habe ich keinerlei Bedenken gehabt und habe ich im Moment immer noch nicht.«
Die Arthur S. De Moss-Stiftung wird auch in Amerika scharf kritisiert. Im Interview mit dem ARD-Magazin REPORT Mainz bezeichnet Rob Boston von der renommierten Bürgerrechtsorganisation »Americans United for Seperation of Church and State« die De Moss-Stiftung als »intolerant, dogmatisch und funtamentalistisch«. Es sei bekannt, dass sie extrem rechte Gruppen unterstütze, »die ganz offensichtlich die Rechte der Frauen in der Gesellschaft beschneiden und Homosexualität als Verbrechen brandmarken wollen, das sogar die Todesstrafe nach sich ziehen kann.« Zum Beispiel habe die De Moss-Stiftung auch die sogenannte Plymoth-Rock Foundation unterstützt: »Diese Organisation ist im großen und ganzen eine christlich-fundamentalistische Ausgabe der Taliban für Amerika«, sagte Rob Boston außerdem im Interview mit REPORT Mainz.
Ein Interview mit REPORT Mainz hat die Arthur S. De Moss-Stiftung abgelehnt.
Hier gibt es eine Stellungnahme von Bernhard Langer.
Die Sueddeutsche Zeitung berichtet am 10.1.02:
»Laut Rundfunkstaatsvertrag ist ideelle, also auch religiöse Werbung im TV untersagt. Solche Sachen kämen sehr selten vor, sagt Annette Schriefers von Hessens Landesmedienanstalt: Vor mehr als zehn Jahren hatten wir einen ähnlichen Fall mit Scientology«.
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