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Meditation

Suchen Sie sich zu Anfang eine ruhige, leicht abgedunkelte Umgebung, in der sie fünfzehn Minuten ungestört sitzen können. Am besten setzen Sie sich mit möglichst geradem Rücken im Schneidersitz auf ein Sitzkissen. Schließen Sie Ihre Augen und richten Sie Ihre Konzentration jetzt einfach auf Ihren Atem. Sie fühlen bewusst, wie die Luft durch Ihre Nase einströmt und wieder ausströmt. Das ist eigentlich schon alles, was Sie wissen müssen. Ein Zen-Meister würde Sie nun allein mit diesen Anweisungen mehrere Wochen üben lassen. Doch schon die ersten fünf Minuten, in denen Sie scheinbar nichts tun, werden Ihnen wie eine Ewigkeit vorkommen. Schließlich sind wir alle darauf programmiert, jede Minute unseres Lebens »produktiv« zu nutzen. Die folgenden Informationen sollen deshalb helfen, Ihr Durchhaltevermögen zu unterstützen:

Bild von Alex Grey

Ihrem Verstand ist es natürlich viel zu langweilig, sich auf eine so profane Beschäftigung wie das Atmen zu konzentrieren – er wird sich schon nach wenigen Sekunden dagegen auflehnen und an etwas Interessanteres denken wollen. Unweigerlich werden auch bei Ihnen die üblichen Gedankenketten einsetzen: Wünsche, Abneigungen, Ruhelosigkeit, Trägheit oder Zweifel werden Sie davon abhalten, sich auf Ihren Atem zu konzentrieren. Das ist jedoch völlig normal. Sobald Sie bemerken, dass Ihre Aufmerksamkeit von Ihrem Atem abweicht, lenken Sie sie einfach wieder darauf zurück. Ziel während der Meditation ist es, die Gedanken einfach vorbeiziehen zu lassen, ihnen nicht nachzuhängen oder sie zu beurteilen. Versuchen Sie Ihre Gedanken auch nicht verkrampft zu unterdrücken und mit aller Gewalt eine geistige Leere im Gehirn zu erzeugen. Nehmen Sie die Gedanken mit Achtsamkeit wahr, und konzentrieren Sie sich dann wieder auf Ihren Atem. Sie begeben sich also in die Perspektive eines Beobachters und schauen Ihren Gedanken gelassen zu. Lösen Sie sich möglichst von dem Wunsch, mit der Meditation etwas erreichen zu wollen. Im Gegensatz zum autogenen Training, dem positivem Denken, der Autosuggestion und der Selbsthypnose muss man sich beim Meditieren die Entspannung auch nicht einreden, sie entsteht vielmehr als Nebeneffekt, wenn es gelingt, in die Rolle eines unbeteiligten Zeugen zu schlüpfen, der seine eigenen Gedanken beobachtet.

Bild von Alex Grey

Die Einstellung, die uns sagt, dass wir uns mehr anstrengen müssen, wenn wir keinen Erfolg haben, hilft beim Meditieren nicht weiter. Hier ist das Prinzip des »erwartungslosen Bemühens« besonders wichtig.

Unsere umherschweifenden Gedanken nehmen wir im Alltag gar nicht besonders wahr, weil wir sie für unser eigentliches Selbst halten – kurz: Ich »bin« meine Gedanken. Dass dem nicht so ist, können wir beim Meditieren erkennen, denn hier erheben wir uns über unsere Gedanken und schauen ihnen zu. Das gelingt am besten, wenn man jeden Gedanken etikettiert, sobald man ihn bemerkt. Taucht beim Meditieren zum Beispiel der Gedanke an ein neues Auto oder einen schönen Urlaub auf, kleben Sie das Etikett »Wünsche« darüber und kehren wieder zu Ihrem Atem zurück. Nach kurzer Zeit denken Sie vielleicht an das bevorstehende Treffen mit Ihrem Chef. Sie kleben das Etikett »Sorgen« darüber und konzentrieren sich wieder auf das Atmen. Jetzt taucht vielleicht die Frage auf: Was mache ich hier eigentlich? Sie kleben einfach das Etikett »Zweifel« darüber und atmen konzentriert weiter. Das kann eine sehr spannende Angelegenheit werden. Von dieser Seite haben Sie sich bestimmt noch nicht kennen gelernt. Glauben Sie mir, das ist viel spannender als das übliche Tagträumen. Versuchen Sie jedoch nicht, Ihre Gedanken zu verändern. Sie brauchen auch nicht enttäuscht zu sein, wenn Ihre Meditation zu einem Großteil aus dem Bewusstwerden unangenehmer Gedanken besteht – so lange Sie immer wieder zu Ihrem Atem zurückkehren. Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie das gerade Beschriebene jetzt ausprobieren – mindestens fünf Minuten lang.

Bild von Alex Grey: Body, Mind, Spirit

Die Bilder sind von Alex Grey. Hier kann man seine Bücher bestellen.

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